Was sind Kreidezähne?
Der medizinische Fachbegriff für Kreidezähne lautet Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH. Dabei ist der Zahnschmelz bestimmter Zähne weniger mineralisiert und dadurch weniger belastbar als gesunder Zahnschmelz.
Betroffen sind vor allem die ersten bleibenden Backenzähne. Zusätzlich können die bleibenden Schneidezähne Veränderungen zeigen. Ähnliche Mineralisationsstörungen können auch an den zweiten Milchbackenzähnen vorkommen.
MIH entsteht bereits während der Entwicklung der Zähne, lange bevor diese im Mund sichtbar werden. Die Veränderungen lassen sich deshalb nicht einfach auf unzureichendes Zähneputzen zurückführen.
Wie sehen Kreidezähne aus?
Typisch sind klar begrenzte Veränderungen des Zahnschmelzes. Diese können weißlich, gelblich oder braun erscheinen. Die Ausprägung unterscheidet sich von Kind zu Kind und sogar von Zahn zu Zahn.
Mögliche Hinweise sind:
- weiße, gelbe oder braune Flecken auf einzelnen Zähnen
- empfindliche Reaktionen auf kalte oder warme Speisen
- Schmerzen beim Zähneputzen
- empfindliche Backenzähne beim Kauen
- raue oder abgesplitterte Bereiche des Zahnschmelzes
- ungewöhnlich schnelle Abnutzung frisch durchgebrochener Zähne
Nicht jede Verfärbung ist automatisch eine MIH. Ähnliche Veränderungen können andere Ursachen haben und sollten daher zahnärztlich untersucht werden.
Wann werden Kreidezähne häufig sichtbar?
Die ersten bleibenden Backenzähne brechen meist ungefähr um das sechste Lebensjahr hinter den Milchzähnen durch. Da dabei kein Milchzahn ausfällt, werden die neuen Zähne manchmal zunächst übersehen.
Gerade in dieser Phase sind regelmäßige zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen wichtig. Die Praxis kann Veränderungen früh erkennen und prüfen, ob es sich um MIH, Karies oder eine andere Schmelzveränderung handelt.
Auch die zweiten Milchbackenzähne können Hinweise liefern. Auffällige Flecken, Empfindlichkeit oder brüchige Stellen sollten deshalb bereits im Milchgebiss untersucht werden.
Warum entstehen Kreidezähne?
Die Ursachen der MIH sind noch nicht abschließend geklärt. Fachgesellschaften gehen davon aus, dass wahrscheinlich mehrere Faktoren während der frühen Zahnentwicklung zusammenwirken.
Diskutiert werden unter anderem Erkrankungen und andere Einflüsse während der Schwangerschaft, rund um die Geburt oder in den ersten Lebensjahren. Ein eindeutiger einzelner Auslöser lässt sich bei einem betroffenen Kind in der Regel nicht bestimmen.
Eltern sollten sich deshalb keine Vorwürfe machen. Auch ein sorgfältig gepflegter Zahn kann von MIH betroffen sein.
Sind Kreidezähne dasselbe wie Karies?
Nein. MIH ist eine Entwicklungsstörung des Zahnschmelzes. Karies entsteht dagegen, wenn bakterielle Beläge und häufige Zuckerzufuhr über längere Zeit zu einer Entmineralisierung und Schädigung der Zahnsubstanz führen.
Ein MIH-Zahn kann jedoch zusätzlich Karies entwickeln. Raue, empfindliche oder bereits eingebrochene Oberflächen können die Reinigung erschweren. Deshalb benötigen betroffene Kinder eine individuell angepasste Vorsorge.
Wie werden Kreidezähne zu Hause gepflegt?
Auch wenn Zähneputzen MIH nicht verhindern oder rückgängig machen kann, bleibt die tägliche Pflege wichtig. Sie schützt die betroffenen Zähne vor zusätzlichen kariösen Schäden.
Hilfreich sind:
- zweimal tägliches Putzen mit altersgerechter fluoridhaltiger Zahnpasta
- eine weiche Zahnbürste bei empfindlichen Zähnen
- vorsichtiges Nachputzen durch die Eltern
- eine Putzroutine ohne starken Druck
- regelmäßige zahnärztliche Kontrollen
- möglichst wenige zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten und Getränke
Wenn das Putzen Schmerzen verursacht, sollte es nicht vollständig ausgelassen werden. Die Praxis kann zeigen, wie sich empfindliche Bereiche schonender reinigen lassen und welche Zahnpasta beziehungsweise zusätzlichen Fluoridmaßnahmen für das Kind geeignet sind.
Die ZTK informiert im Bereich Kinderzahnmedizin über Vorsorge und Behandlungen für Kinder.
Wie werden Kreidezähne behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach dem betroffenen Zahn, dem Alter des Kindes, der Empfindlichkeit und dem Ausmaß des Schmelzdefekts.
Je nach Befund kommen beispielsweise infrage:
- regelmäßige Kontrollen und Mundhygieneberatung
- professionelle Fluoridanwendungen
- Versiegelung gefährdeter Kauflächen
- vorübergehende oder endgültige Füllungen
- stabilisierende Versorgungen bei größeren Defekten
- in sehr schweren Fällen eine abgestimmte kieferorthopädische und kinderzahnärztliche Planung
Nicht jeder verfärbte Zahn muss sofort gefüllt oder überkront werden. Die Therapie wird individuell geplant und kann sich während des Zahnwechsels verändern.
Eine frühzeitige Kinderzahnbehandlung kann helfen, empfindliche Zähne zu schützen und das Kind behutsam an notwendige Maßnahmen zu gewöhnen.
Wann sollte ein Kind mit auffälligen Zähnen zum Zahnarzt?
Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Sie begrenzte weiße, gelbe oder braune Flecken bemerken oder Ihr Kind über Schmerzen beim Essen, Trinken oder Zähneputzen berichtet.
Eine zeitnahe Kontrolle ist besonders wichtig, wenn Zahnschmelz abbricht, der Zahn beim Kauen schmerzt oder die Zahnpflege kaum möglich ist.
Über die Praxissuche der ZTK finden Sie einen passenden Standort. Den Untersuchungstermin können Sie auch online vereinbaren.
Häufige Fragen zu Kreidezähnen
Sind Kreidezähne erblich?
Die Ursachen sind nicht abschließend geklärt. Eine eindeutige Vererbung lässt sich aus einer auffälligen Zahnoberfläche nicht ableiten.
Haben Eltern Kreidezähne durch falsches Putzen verursacht?
Nein. MIH entsteht während der Entwicklung des Zahnschmelzes, bevor der Zahn im Mund sichtbar wird. Unzureichende Pflege kann jedoch zusätzliche Karies begünstigen.
Können Kreidezähne wieder gesund werden?
Ein bereits entstandener Schmelzdefekt bildet sich nicht vollständig neu. Zahnärztliche Maßnahmen können die Zähne jedoch schützen, Beschwerden lindern und beschädigte Bereiche stabilisieren.
Warum tut das Zähneputzen bei MIH weh?
Der weniger belastbare Zahnschmelz kann empfindlicher auf Berührung und Temperatur reagieren. Die Praxis kann geeignete Pflegeprodukte und eine schonende Putztechnik empfehlen.
Sind nur bleibende Zähne betroffen?
MIH betrifft vor allem die ersten bleibenden Backenzähne und teilweise die bleibenden Schneidezähne. Vergleichbare Veränderungen können auch an den zweiten Milchbackenzähnen auftreten.
Müssen Kreidezähne gezogen werden?
Nein. Viele betroffene Zähne können beobachtet, versiegelt oder restaurativ versorgt werden. Eine Entfernung wird nur bei schweren Befunden und nach sorgfältiger, fachübergreifender Planung erwogen.
Quellen und Stand
Stand: 31. August 2026